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24.12.2018

Keine Energiewende ohne flüssige Energieträger

Forschung an klimaneutraler Alternative zum Heizöl

Öl steckt fast überall drin: im Straßenbelag, in Kunststoff, vor allem jedoch in Fahrzeug- und Heizöltanks. Mineralölprodukte sind hierzulande Energieträger Nummer eins. Die Energiedichte flüssiger Kraft- und Brennstoffe ist über 20-mal höher als in einer Lithium-Ionen-Batterie, sie sind leicht zu transportieren und schnell verfügbar.

Doch der Platzhirsch ist umstritten. Verträgt sich der Einsatz von Benzin, Heizöl & Co. noch mit den Klimazielen? Könnten flüssige Kraft- und Brennstoffe nicht durch Ökostrom ersetzt werden? So einfach ist es nicht: Denn auch nach Effizienzsteigerungen und dem Ausbau der Ökostrom-Erzeugung wird eine Lücke in der Versorgung mit erneuerbarer Energie bleiben. Die könnte durch neue, flüssige Kraft- und Brennstoffe geschlossen werden, die zunehmend „grün“ werden.

Rund 5,6 Millionen Ölheizungen stehen in deutschen Heizungskellern, 20 Millionen Menschen bekommen durch sie im Winter keine kalten Füße und freuen sich über warmes Wasser aus der Leitung. Viele von ihnen setzen bereits auf effiziente Öl-Brennwerttechnik, die gegenüber alten Geräten bis zu 30 Prozent Heizöl und CO2-Emissionen einspart. Eine klimaneutrale Zukunft erhalten diese Heizungen durch neue flüssige Energieträger, die vielerorts entwickelt werden.

 

Verschiedene Optionen

„Zur Herstellung alternativer Brenn- und Kraftstoffe gibt es verschiedene ‚Pfade‘. Derzeit sind biomassebasierte Produkte auf dem Markt erhältlich, die bereits heute Treibhausgasminderungen aufweisen“, erklärt Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Oeltechnik (IWO). „Für die Zukunft geht es um die Herstellung alternativer flüssiger Kohlenwasserstoffe aus unterschiedlichen regenerativen Quellen. Bei der Auswahl der Rohstoffe wird eine Nutzungskonkurrenz zu Agrarflächen oder Nahrungsmitteln bewusst vermieden.“ Aufgrund des absehbar großen Bedarfs würden langfristig auch synthetische Energieträger aus regenerativ erzeugtem Wasserstoff und CO2 als Kohlenstoffquelle, auch Power-to-X oder E-Fuels genannt, benötigt.

Ein wichtiges Kriterium bei der Entwicklung dieser neuen Brennstoffe ist die Drop-in-Fähigkeit: Der Energieträger kann dem Heizöl im Tank beigemischt werden – und ist in der modernen Brennwerttechnik ohne große Umrüstungen einsetzbar. Das IWO begleitet mehrere Modellhäuser, in deren Tanks sich bereits heute neue flüssige Energieträger gemeinsam mit dem klassischen Heizöl befinden. Dieser Praxistest verläuft bislang reibungslos. Erste Heizungen wurden nach einem Jahr Laufzeit jetzt gewartet und sind in einem tadellosen Zustand.



In bestehenden Heizungen einsetzbar

Für die Energiewende sind das gute Zeichen: Die neuen Kraft- und Brennstoffe sind nämlich im Wärme- und im Verkehrssektor in der bestehenden Infrastruktur einsetzbar. Heizgeräte, Tankstellen sowie Fahrzeuge könnten so weiter genutzt werden. Darauf verweist auch die aktuelle Prognos-Studie „Status und Perspektiven flüssiger Energieträger in der Energiewende“, die unter anderem im Auftrag des IWO erstellt wurde. „Mit alternativen flüssigen Energieträgern könnten Hausbesitzer und Autofahrer in Zukunft ihre CO2-Bilanz verbessern – ohne auf teure Wärmepumpen oder E-Mobile setzen zu müssen“, sagt Willig. Perspektivisch könnten laut der Prognos-Studie E-Fuels zu wettbewerbsfähigen Preisen hergestellt und so zu einer zusätzlichen Option für mehr Klimaschutz werden. Die Herstellung setzt allerdings hohe Investitionen voraus. Deshalb werden von Seiten der Politik langfristig verlässliche Rahmenbedingungen benötigt. Diese sollten jetzt geschaffen werden. Mehr Informationen unter www.zukunftsheizen.de.



Draußen eiskalt, drinnen schön warm und „grün“, dank Einsatz von treibhausgasreduziertem Brennstoff: IWO-Modellhaus in Baumholder. Foto: IWO

 

 

 

Quelle: Institut für Wärme und Oeltechnik e. V. (IWO)

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